14. April 2011

Plakat FaustUnsere Schulleiterin Frau Dr. von Platen sitzt auf der Bühne und lässt die Füße baumeln, während die Gäste in kleinen Grüppchen stehen, mit einem Glas Sekt oder Orangensaft in der Hand. Sie könnten über das Wetter, Flüchtlinge in Italien, bestimmte Lehrer oder das Theaterstück reden, welches gleich aufgeführt wird. Sie könnten sich aber auch über den eben unterzeichneten Kooperationsvertrag unseres Gymnasiums mit dem Seniorenheim unterhalten. Um was auch immer es in den Gesprächen geht, Frau Dr. von Platen unterbricht sie mit einem dreimaligen Glockengeräusch, da echte Glocken nicht zur Hand sind. Die Gäste werden über die Hintergründe und Mühe des Theaterstücks informiert und schon erklingt eine Fanfarenmelodie, die erkennen lässt, dass jetzt der große Zeitpunkt gekommen ist. Johann Wolfgang von Goethes „Faust“ wird von Schülern unserer Schule inszeniert. Frau Dr. von Platen preist dies als „höchsten Kunstgenuss“ und entschuldigt schon im vornherein Patzer und Pannen, die hoffentlich nicht passieren werden. Nachdem Nicolas Pooch aus der 7a Goethes „Zauberlehrling“ sehr schön rezitiert, tritt Robert Martin aus der 9b auf die Bühne und spielt den Theaterdirektor, der die Ungeduld des Publikums zum Ausdruck bringt. Dann öffnet sich der Vorhang zum ersten Mal und man sieht Gott, dargestellt von Lukas Schramm aus der 10b. Regungslos schaut er in die Ferne, als Claudio Quien-Parimbelli aus der selben Klasse als Mephisto auf die Bühne tritt. Sein weißes Gesicht mit Panda-Augen und rotverschmiertem Lippenstift verzieht sich hämisch und er verneigt sich vor dem Publikum. Mit sichtbarer Freude versucht er, den Herrn zum Blinzeln zu bringen, doch der verzieht keine Miene. Als der Teufel beginnt zu sprechen, erwacht Gott aus seiner Starre und die beiden diskutieren über das Leben auf Erden. Mephisto wettet, dass er es schafft, den Doktor Faust auf seine Seite zu bringen und verabschiedet sich vom Herrn. Der Vorhang schließt sich und während Mephisto dem Publikum versichert, dass er gern mit Gott rede, tauchen zwei Füße durch den Vorhang, auf denen in Großbuchstaben GOTT geschrieben ist. Der Vorhang öffnet sich nach dem Monolog des Teufels und Robert Martin als Faust sitzt an einem Tisch in seinem Studierzimmer und liest ein Buch. Dann beginnt er, über die Welt und das Wissen zu klagen. Er ist unzufrieden und frustriert, da er alles studiert hat, was man studieren kann, aber doch nicht weiterkommt. Faust strebt nach Erkenntnis und erzählt dem Publikum, dass er sich der Magie ergeben habe. Der Vorhang schließt sich und nach einem kurzen Zwischentext hat sich das Bühnenbild nicht geändert, bis auf den Faust, der jetzt schulterlange, dunkle Locken hat: Florian May aus der 11a hat diese Szene übernommen. Deprimiert ist er aber immer noch, als es an die Tür klopft und nach dreimaligem „Herein“ Mephisto, gespielt von Charline Nahlik (11a), eintritt. Die beiden schließen einen Pakt: Wenn der Teufel Faust zur absoluten Zufriedenheit bringen kann, dass sein Wissensdurst befriedigt ist, wird Faust sterben und Mephisto in der Hölle dienen. Mephisto, gespielt von Fabian Loßner (11a) schreitet gleich zur Tat und schleppt Faust, der diesmal von Felix von Rautenberg-Garczynski aus der 10a dargestellt wird, in eine Kneipe, wo Fußballfans aus den unterschiedlichsten Klassen sich betrinken. Das ist jedoch gar nichts für Faust, es ist ihm viel zu primitiv und unter seinem Niveau, also muss sich Mephisto etwas anderes einfallen lassen, damit Faust glücklich wird. Der Vorhang unterbricht die Besoffenen, die sich gerade gegenseitig die Nasen klauen, und David Runge aus der 11a tritt mit einer Gitarre in der Hand auf die Bühne. Einen Stuhl hat er sich auch mitgebracht und so macht er es sich bequem und begrüßt seelenruhig das Publikum. Er sagt, er werde zur musikalischen Auflockerung „Zu heiß“ von Farin Urlaub von den Ärzten singen. Das Lied berichtet von einer geplanten Revolution, die durch unerträgliche Hitze unterbrochen werden musste. Da sieht man mal, dass man sich nie auf das Wetter verlassen kann. David verlässt die Bühne und nach einem Zwischentext bleibt der Vorhang geschlossen. Geführt von einem eindringlichen Beat kommen drei Jungs mit Mikrofonen in der Hand auf die Bühne. Johannes Plötz (8a), Robert Hickmann und Tobias Schulze (10b) performen den „Zauberlehrling“ als Rap und gehen auf der Bühne total ab. Das zaubert allen ein Grinsen in das Gesicht und so kann der Vorhang, begleitet von Herumgeklimper auf dem Klavier, wieder geöffnet werden. Ein schwarz angezogener Mann mit Franzosenmütze und einem Hefter in der Hand, auf dem groß „FAUST“ steht, betritt die Bühne und weist Florian May und Charline Nahlik als Faust und Mephisto ihre Plätze zu. Er spielt den Regisseur und meckert die Darsteller ununterbrochen an. Diesen Part hat auch Robert Hickmann übernommen. Mephisto will sein Vorhaben, Faust zu verjüngen, umsetzen und sie werden von einer Hexe, die von Ina Huge aus der 11a gespielt wird, unsanft begrüßt. Mephisto weist sie zurecht und zeigt erstmal, wer der Boss ist. Danach hört die grünhaarige Hexe im lila Umhang ganz auf Mephistos Kommando und braut Faust einen Zaubertrank, der ihn 30 Jahre jünger – und auf Frauen scharf macht. Das funktioniert ausgezeichnet, denn gleich auf der Straße kommt den beiden Gretchen, von Mona Holstein (10b) gespielt, entgegen. Felix von Rautenberg-Garczynski als Faust macht sie an und kriegt eine harte Abfuhr. Doch mit einem ausgeklügelten Plan und Mephistos Hilfe gelingt es Faust schließlich, Gretchen von einem Rendezvous zu überreden, bei dem sich die beiden näher kommen. Danach ist Gretchen Hals über Kopf verliebt und Anna-Maria Horn (12b) zeigt stickend Gretchens Sehnsucht. „Clair de lune“, am Klavier gespielt von Amelie Schreiber aus der 7b, unterstreicht die romantische Stimmung. In der darauffolgenden Nacht treffen sich Faust und Gretchen wieder und Faust bekommt, was er von Anfang an wollte: Gretchens Unschuld. Ihrer Schuld bewusst, trifft sich Gretchen mit ihren Freundinnen Mariechen und Lieschen und muss sich mit anhören, wie die beiden über Bärbelchen lästern, der das Gleiche widerfahren ist. Diese Szene wird in heutiger Zeit von Melissa Ullmann, Sophie-Isabell Böttcher und Mona Holstein, alle aus der 10. Klasse, dargestellt. Gretchen erfährt von ihrer Schwangerschaft und das spricht sich herum wie ein Lauffeuer – auch von ihrem Bruder Valentin wird sie in der nächsten Szene zurechtgewiesen. Vorher wird der aber noch von Faust und Mephisto bei einem Fechtkampf so verletzt, dass seine Minuten gezählt sind. Valentin wird von Robert Hickmann gespielt, während Ina Huge die Rolle des Gretchens übernimmt. Nach seinem Tod rennt Gretchen verzweifelt von der Bühne und ahnt nichts von dem, was Faust und Mephisto erleben. Acht Mädchen aus den siebten, achten und zehnten Klassen mit toupierten Haaren und verschmierten Gesichtern spielen Hexen auf der Walpurgisnacht. Auch Isabell Ginko, eine Ehemalige, unterstützt die Tanzgruppe bei der Aufführung. Sie hüpfen übereinander, umeinander, ineinander, aufeinander und brauen nebenbei einen Hexentrank, den sie nach ihren akrobatischen Höchstleistungen genießen. Auch Faust und Mephisto sind bei dem Spektakel dabei und Mephisto fühlt sich sichtlich wohl. In dieser Zeit wurde Gretchen aber verhaftet, weil sie aus Verzweiflung ihr neugeborenes Kind getötet hat und das Publikum wird durch ein Musikstück von Robert Schumann wieder in eine ernste Stimmung gebracht. Das Stück „Waldung, sie schwankt heran!“ wird von einem Quartett gesungen, bestehend aus Amelie Schreiber (7b), Laura Krause (10b), Felix von Rautenberg-Garczynski (10a) und Florian May (11a). Danach sieht man Gretchen, dargestellt von Anna-Maria Horn aus der 12b, auf dem Boden sitzend in einem Kerker. Faust (Fabian Loßner) und Mephisto (Robert Hickmann) kommen, um sie zu retten, doch sie sieht voller Schreck den Teufel und will wegen ihrer Frömmigkeit nicht mit ihm gehen. So ist sie zum Tode verurteilt und auch ihr Leben neigt sich dem Ende zu, wie das Theaterstück. Nach Gottes Wort schließt sich der Vorhang und alle Beteiligten versammeln sich auf der Bühne. Von Applaus begleitet verbeugt sich jeder Einzelne, der große oder kleine Rollen übernommen hat, denn jeder für sich war wichtig für unsere Inszenierung. Unsere Eltern, die Lehrer, Ehrengäste, Schüler und Senioren haben sich das Stück angesehen und da sollte man sich die Frage stellen: Wäre Goethe nicht auch begeistert? Er hatte das Stück beim Schreiben bestimmt genau so vor Augen…

Laura Krause (10b)

Es ist geschafft, unsere „Faust“-Aufführung ging am Premierenabend mit viel Beifall über die Bühne!

Vergessen war der Stress der vergangenen Wochen, als neben den zu schreibenden Klausuren viele Proben anstanden – oft genug in Pausen, Freiblöcken und nach dem Unterricht. Texte waren zu lernen, Kostüme zu besorgen, künstlerische Krisen zu bewältigen; aber dies alles war vergessen, als die Akteure am Ende auf der Bühne standen und sich ihren wohlverdienten Schlussapplaus abholten. So umjubelt auf der Bühne stehend mochte der eine oder die andere tatsächlich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! du bist so schön!
Derart begeisterte und engagierte Schüler kann man im Unterrichtsalltag nicht oft erleben und also kamen schon die ersten Anfragen, was wir denn als nächstes aufführen würden. Wenn wieder genug Theaterbegeisterte zusammenkommen, finden wir sicher etwas zum Singen, Schauspielern, Kämpfen, Tanzen und Musizieren. Mal sehen, wen wir nach Shakespeare und Goethe auf die Bühne holen – erste Vorschläge gab es schon, weitere sind willkommen.
Zum Schluss noch ein Dankeschön an alle, die uns unterstützten: Stiefväter, die ihre Hochzeitsanzüge, und Großväter, die ihre Schlipse zu Verfügung stellten, Lehrer, die von Zeit zu Zeit auf einige Schüler in ihrem Unterricht verzichteten, und die Schulleitung, die für uns auch schon mal den Stundenplan umstellte…

Susanne Schmors